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5. Meine RetikulozytenFür mich und meine Anwälte sind die offiziellen Statistiken des RfB (siehe Link: 4. Statistische Messschwankungen) von besonderer Bedeutung. Vor allem dann, wenn man die gleich folgenden Beurteilungen Dr. Kruses, die er im Übrigen auch in einem Gutachten zu Papier gebracht hat, mit meinen Retikulozytenverlauf vergleicht. Denn wer meine auf der advia 120 gemessenen und auch vorliegenden Werte addiert und dieses Ergebnis dann durch die Anzahl der Messungen dividiert, wird schnell feststellen, dass ich auf einen Mittelwert von 2 Prozent komme. In Dr. Kruses Gutachten wird ausgeführt, dass sich bei einem Mittelwert von 2 Prozent bei einer Normalverteilung - statistisch errechnet - ca. 95 Prozent der Messungen zwischen einer Spanne von 1,2 und 2,8 Prozent bewegen (je 40prozentige Schwankungsmöglichkeiten nach oben unten berücksichtigt). Ca. 5 Prozent der Werte liegen folgerichtig stets außerhalb dieser Spanne. Hierzu heißt es wörtlich in dem Gutachen von Dr. Kruse: „Dies bedeutet aber auch, dass selbst bei korrekter Messung durchschnittlich 5 von 100 Messwerten außerhalb dieses Bereiches liegen werden. Da zudem eine solche Normalverteilung von Messwerten häufig nicht vorliegt, wird die Wahrscheinlichkeit, dass ein Wert außerhalb dieses Bereiches liegt, in der Regel noch größer.“ Auf der folgenden Grafik habe ich nun alle meine Werte noch einmal dargestellt. Übrigens ohne sie mit Linien zu verbinden. Denn Dr. Kruse war der Erste, der darauf hingewiesen hat, dass dies völlig irreführend sei. Begründung: Zwischen einzelnen Messungen vergingen meist Wochen, manchmal sogar Monate, sodass es keinen Sinn macht, die Werte als Kurvenverlauf darzustellen. So wird fälschlicherweise der Eindruck vermittelt, der eine Wert folge unmittelbar auf den nächsten. Richtig sei dagegen, dass die Sprünge häufig wesentlich moderater ausgefallen wären, wenn zwischen den Messungen nicht so viel Zeit vergangen wäre.
Um zu vergleichen, ob meine Werte - statistisch gesehen - tatsächlich so verwundern können, dass sie lediglich durch Doping oder eine Blutkrankheit zu erklären sind, wurde in der Grafik die „normale Spannungsbreite“ von 1,2 bis 2,8 (ca. 40 Prozent Abweichung nach oben bzw. unten) durch rote gestrichelte Linien gekennzeichnet. Und schon erkennt man, dass sich lediglich noch sechs Werte in zehn Jahren (!) oberhalb der statistischen Normalität bewegen. Wenn man jetzt noch verinnerlicht, dass drei dieser Werte innerhalb von zwei Tagen in Hamar und zwei weitere Werte innerhalb von 72 Stunden in Calgary gemessen wurden verbleiben lediglich noch drei Auffälligkeiten oberhalb der Norm. Und wie hatte Dr. Kruse doch bemerkt: „Dies bedeutet aber auch, dass selbst bei korrekter Messung durchschnittlich 5 von 100 Messwerten außerhalb des Bereiches von 1,2 bis 2,8 liegen werden. Da zudem eine solche Normalverteilung von Messwerten häufig nicht vorliegt, wird die Wahrscheinlichkeit, dass ein Wert außerhalb dieses Bereiches liegt, in der Regel noch größer.“ Da es von mir mittlerweile rund 100 Werte gibt, sind die Ausreißer somit von der Anzahl sogar dann zu erklären, wenn man die Werte, die ganz knapp unterhalb des Schwankungsbereiches liegen, mitzählt. Zumal es auch hier zu berücksichtigen gilt, dass zwei der Werte, die knapp unter der 1,2-Prozent-Marke liegen, von ein und dem selben Wettkampfwochenende stammen. Spätestens an dieser Stelle sollte jeder, der die Indizien gegen mich für schlüssig hält, einmal kurz durchatmen, innehalten und nachdenken! Weiter geht’s mit den kritischen Fragen der Journalisten. Da wäre z.B.: Wenn der Fall Pechstein tatsächlich so einfach durch die Statistik zu erklären wäre, warum treten die erhöhten Werte dann ausgerechnet im Winter zu den Saisonhöhepunkten auf? Antwort: Ganz einfach, wenn mehr als 90 Prozent der Messungen im Winter während der Saison gemacht werden, ist es nur logisch, dass auch ein überwiegender Teil der erhöhten Messungen in diesen Zeitraum auftauchen. Und dass diese Erhöhungen stets zu den Saisonhöhepunkten gemessen wurden, ist schlichtweg falsch! Denn jeder, der sich im Sport ein wenig auskennt, wird mir Recht geben, dass die Saisonhöhepunkte jene Wettbewerbe sind, bei denen es um Gold, Silber und Bronze geht! Dies sind im Eisschnelllaufen die Olympischen Spiele (alle vier Jahre), die Mehrkampf-WM, die Einzelstrecken-WM und die Mehrkampf-EM (alle jährlich, mit Ausnahme der Einzelstrecken-WM, die in einem Olympiajahr nicht stattfindet). Von diesen Saisonhöhepunkten habe ich seit 2000 genau 28 bestritten. Und während dieser 28 Wettkämpfe sind bei genau zwei Titelkämpfen erhöhte Retikulozyten von mir gemessen worden. Im Februar 2009 in Hamar und im März 2008 während der WM in Nagano, von der ich zum ersten Mal in meiner Karriere ohne Medaille in einem Einzelrennen zurückgekehrt bin. Nächste Frage, in der immer unterschwellig auch eine Beschuldigung mitklingt: Wenn die Werte tatsächlich statistisch zu erklären sind, warum werden die Schwankungen dann nicht auch bei anderen Athleten ermittelt? An dieser Stelle bestreite ich entschieden, dass bei anderen Athleten nicht ähnliche Schwankungen auftreten. Nur gibt es einen entscheidenden Unterschied zu mir: Der Ausgangs- sprich der Mittelwert der anderen ist niedriger als meiner. Denn häufig liegt dieser Wert zwischen 0,8 und 1,5 Prozent. Wenn nun also ein Athlet mit einem Wert von einem Prozent eine Schwankung von 40 Prozent in den Messungen aufweist, kommt er auf 1,4 Prozent und ist immer noch „meilenweit“ vom ISU-Grenzwert (2,4) entfernt. Auch der Sportler mit einem Mittelwert von 1,5 liegt bei einer Abweichung von 40 Prozent mit 2,1 noch deutlich unter dem Grenzwert. Während ich mit einem Ausgangswert von 2 Prozent bei einer Abweichung von 40 Prozent mit 2,8 gemessen werde und auffällig auf Epo bin. Das ist doch ein Wahnsinn! An dieser Stelle darf ich natürlich nicht unterschlagen, dass ein Ausgangswert von 2 Prozent nicht so außergewöhnlich ist, dass man gleich von einer Blutanomalie reden müsste. Diese 2 Prozent sind zwar etwas erhöht, aber keinesfalls eine Rarität. Um meine Argumentation zu verdeutlichen, möchte ich folgend erstmals eine Grafik zeigen, deren Werte die ISU in der Anklage gegen mich vorgestellt hat, um zu zeigen, wie aus ihrer Sicht ein unauffälliger Verlauf aussieht. Dies, so die Behauptung, seien die Werte eines Athleten der ISU. Der Name wurde nicht genannt, wir wissen also auch nicht, ob es sich um einen Läufer oder eine Läuferin handelt. Wir wissen auch nicht, ob diese Werte von einem Spitzen- oder eher Durchschnittsathleten stammen. Wie schon bei meinen Werten wurde auch in der folgenden Grafik darauf verzichtet, die einzelnen Werte mit Linien zu verbinden, um nicht einen eventuell irreführenden Verlauf darzustellen. Der errechnete Mittelwert dieses Athleten liegt bei 1,2 Prozent Retikulozytenanteil. Wenn nun auch hier 40 Prozent Messchwankungen als statistisch normal berücksichtigt werden, müsste sich also ein Großteil der Werte zwischen 0,7 und 1,7 bewegen.
Und genau so ist es auch. Es fällt aber auch auf, dass drei Werte oberhalb von 1,7 Prozent gemessen wurden. Wenn man jetzt berücksichtigt, dass von diesem Athleten lediglich 40 Messergebnisse (wieso eigentlich? ich wurde im gleichen Zeitraum mehr als doppelt so häufig getestet) vorliegen, dann stützen auch diese Ergebnisse die RfB-Statistik, die ja besagt, dass durchschnittlich ca. fünf Prozent der Werte aus dem 40prozentigen, normalen Schwankungsbereich fallen. Denn „fünf Prozent Abweichlern“ von 40 Werten würden genau zwei Messungen entsprechen, die aus dem Rahmen fallen. In diesem Fall sind es drei, also 7,5 Prozent. Einer von den drei „Ausreißern“ liegt mit 2,0 Prozent sogar 70 Prozent über dem Mittelwert von 1,2. Übrigens: Die gleiche prozentuale Abweichung hat mir im Februar 2009 in Hamar gleich dreimal Werte von 3,3 bis 3,5 beschert! Und das nur, weil ich einen anderen Mittelwert habe als der anonyme ISU-Athlet! Noch Fragen? Ich habe noch welche, wenn auch nicht zu diesem Thema. Ich würde gerne wissen, warum die ISU 14 Dopingtestergebnisse von mir im Laufe des Verfahrens noch nicht offen gelegt hat. Mehr dazu unter dem nächsten Link: 6. Fehlende Ergebnisse . |
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