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4. Statistische Messschwankungen

Im Laufe des Verfahrens sind mein Anwalt Simon Bergmann und mein Manager Ralf Grengel von mehreren Wissenschaftlern und Medizinern darauf hingewiesen worden, die Ursache für meine schwankenden Retikulozyten nicht ausschließlich im medizinischen Bereich zu suchen, sondern auch ein Auge auf die Analytik und Statistik zu werfen. So kam es zum Kontakt zu Dr. Rolf Kruse, dem Leiter des Referenzinstituts für Bioanalytik in Bonn – kurz RfB. Das RfB ist akkreditiert und führt im Auftrag der Bundesärztekammer seit mehr als 30 Jahren Ringversuche für das gesamte Gebiet der Klinischen Chemie durch. Ringversuche stellen eine externe Qualitätskontrolle für medizinische Laboratorien dar, mit der die Richtigkeit der Analytik unabhängig überprüft werden soll. Dazu werden stabile Kontrollproben zu einem vorgegebenen Termin an die angemeldeten Kliniken, Krankenhäuser und Laboratorien versandt, die ermittelten Ergebnisse gesammelt und ausgewertet. Für eine erfolgreiche Teilnahme erhält das Labor ein Zertifikat.

In solchen Ringversuchen, die 4x im Jahr durchgeführt werden, werden auch Retikulozyten gezählt. Insgesamt nehmen daran 300 Laboratorien teil. Dabei werden von den Teilnehmern unterschiedliche Methoden und Messsysteme für die Bestimmung der Retis verwendet. Aus den Daten des aktuellen Ringversuchs geht hervor, dass es extreme Schwankungen bei den Messungen gibt. Die folgende Grafik verdeutlicht, welche unterschiedlichen Ergebnisse die verschiedenen Maschinen und Messsysteme produzieren.

Selbst wenn man die extremsten Schwankungen (min. und max. der jeweiligen Tabelle) ignoriert und sich nur auf die Mittelwerte konzentriert, kommt man nicht umhin, starke Abweichungen zu registrieren. Doch Schwankungen gibt es nicht nur zwischen unterschiedlichen Gerätetypen, sondern auch dann, wenn man die Messungen eines identischen Gerätetypes (an verschiedenen Standorten) vergleicht. Exemplarisch hat Herr Dr. Kruse die Ergebnisse der advia 120 grafisch aufbereitet. Mit diesem Gerätetyp hat die ISU alle Werte gemessen, die sie gegen mich verwendet hat. Insgesamt haben 25 Laboratorien, die mit der Maschine advia 120 arbeiten, am aktuellen Ringversuch 2009 teilgenommen. Sie alle haben eine stabile Kontrollprobe mit eher erhöhter Retikulozytenzahl (Probe A) und eine mit niedrigen Retikulozyten (Probe B) gemessen. Hier ist das Ergebnis:

Wie man ganz leicht erkennen kann, gibt es nicht nur erhebliche Schwankungen (3,2 bis 7,6 ! bei Probe A und 0,62 bis 1,70 bei Probe B), sondern kaum eine Maschine misst so wie die andere. Maximal vier von 25 Geräten des Typs advia 120 messen exakt identische Werte (Nummer 15 bis 18 bei Probe B). Es versteht sich von selbst, dass die Laboratorien ihre Geräte allesamt kalibrieren, ehe sie an dem Ringversuch teilnehmen. Und dennoch ermitteln sie anschließend solch unterschiedliche Ergebnisse. Diese Daten und Ringversuche sind übrigens kein Geheimnis. Auf der Webseite HYPERLINK www.dgkl-rfb.de sind die Ringversuche für jedermann einzusehen.

Jetzt stellen sich für mich folgende Fragen: Waren der ISU diese Schwankungsbereiche tatsächlich nicht bekannt (darauf könnte man schließen, wenn man die Zitate von Kuipers und Bubnik unter dem Link 3. Unterschiedliche Messwerte gelesen hat)? Oder waren sie der ISU bekannt und man hat mich trotz dieser Kenntnis angeklagt und auch verurteilt? Ganz gleich, welche Frage die ISU-Verantwortlichen mit ja beantworten müssen, für mich ist das Verhalten des Verbandes einfach unbegreiflich!

Zumal ja statistisch nicht einmal verlässlich dargelegt werden kann, welcher Gerätetyp am ehesten korrekte Werte ermitteln kann. Zu diesem Urteil komme jedenfalls ich, wenn ich mir folgende Einschätzung von Dr. Rolf Kruse vor Augen führe: „Nach unseren Erfahrungen ist es nicht möglich, eine Aussage darüber zu treffen, welches Gerät genauere Werte als ein anderes liefert. Diese Tatsachen sollte Labormedizinern jedoch bekannt sein.“

Welche Auswirkungen diese statistischen Messschwankungen auf die Beurteilung meiner Werte haben, wird besonders dann deutlich, wenn man sie mit einem Eisschnellläufer vergleicht, dessen Werte als völlig unauffällig gelten. Mehr dazu unter dem nächsten Link: 5. Meine Retikulozytenwerte.

Letzte Aktualisierung:
25.11.2009

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