Update: 4. März 2010
Nach Hausdurchsuchung durch Staatsanwalt und BKA:
Jede Ermittlung wird mich am Ende entlasten!
Heute Morgen hatte ich bereits in aller Frühe Besuch. Als es um 8.00 Uhr bei mir zuhause klingelte, habe ich sofort an die nächste Dopingkontrolle gedacht, doch dafür war der Besuch eindeutig zu zahlreich. Ca. zehn Damen und Herren zum Teil mit schusssicheren Westen (!) standen vor der Tür. Und obwohl ich noch nicht einmal gefrühstückt hatte, habe ich die Herrschaften natürlich hereingelassen. Selbst wenn ich lieber erst einmal geduscht und einen Kaffee getrunken hätte. Ich hatte allerdings auch keine andere Wahl, schließlich waren sie mit einem Durchsuchungsbeschluss gekommen. Da war er also, der Besuch, mit dem ich schon seit einigen Monaten rechnen durfte. Genau genommen seit dem 1. Dezember 2009. Denn an diesem Tag hatten die DESG und auch die NADA bei der Staatsanwaltschaft in München Anzeige gegen Unbekannt gestellt, um nach dem CAS-Urteil gegen mich die Hintermänner meines so genannten Dopingfalls aufzudecken.
Ich habe die daraus resultierenden Ermittlungen stets begrüßt und betont, sie sollten endlich beginnen. Denn jede Recherche bzw. Untersuchung wird mich entlasten. Wenn nicht gedopt wurde, kann es auch keine Hintermänner geben! So einfach ist das zumindest in meinem „Fall“. Von daher werden die nun eingeleiteten Aktivitäten der Staatsanwaltschaft mich auch vollumfänglich entlasten. Daran kann es keinen Zweifel geben. Insofern bin ich froh, dass die Ermittlungen aufgenommen wurden. Obwohl es trotzdem ein unangenehmes Gefühl ist, wenn plötzlich dein eigenes Haus durchsucht wird, alle Schränke geöffnet und sämtliche private Sachen „auf den Kopf gestellt“ werden. Es ist ein krasser Eingriff in die Intimsphäre, zuschauen zu müssen, wie deine Kontoauszüge, Unterlagen, Computer und Medikamente bzw. deren Beipackzettel plötzlich beschlagnahmt werden.
Interessant war es, in den Gesprächen mit den Beamten zu erfahren, dass mittlerweile auch Namen anderer Athleten bekannt sind, die in der ISU-Datenbank mit erhöhten Retikulozyten geführt werden. Spannend finde ich vor allem die Frage, warum ausgerechnet ich die Erste und bis dato auch die Einzige bin, gegen die ein Verfahren eröffnet und eine Sperre ausgesprochen wurde?
Ich hoffe, dass die staatsanwaltlichen und polizeilichen Ermittlungen auch dieser Frage nachgehen und bin gespannt, welche Antwort die Ermittler darauf erhalten werden. Denn umso ernsthafter ermittelt wird, umso größer ist die Chance, der Öffentlichkeit deutlich zu machen, dass der Retikulozytenwert als einziger auffälliger Blutparameter (von insgesamt zehn) niemals ausreichend sein kann, um einen Athleten wie bei mir geschehen zu sperren.
In diesem Sinne,
bleibt mir gewogen
Eure Claudia

PS: Die Beamten hatten nicht mal Füßlinge für ihre Schuhe dabei und haben den ganzen Dreck von draußen auf meinen Teppichen und Fußböden verteilt. Normalerweise müsste so ein Kommando auch eine Putzkolonne mitbringen. Doch den Dreck wegzuräumen bleibt jetzt an mir hängen ...