Update: 12. Dezember 2009
Bin trotzdem stolz darauf,
es versucht zu haben!
Die Enttäuschung war riesig. Es sind auch eine Menge Tränen geflossen. Ich hatte nur diese eine Chance mit für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Nur dieses eine Rennen über 3.000 m in Salt Lake City. Es hat nicht gereicht, ich habe das Ziel verfehlt. Das tut weh. Vor allem im ersten Moment, wenn man realisiert, dass man den eigenen Ansprüche nicht gerecht werden konnte. Doch bereits mit ein paar Stunden Abstand habe ich die Sache wesentlich nüchterner und nicht mehr so emotional betrachtet: Zehn Monate lang durfte ich kein Rennen mehr laufen. Genau so lange belasten mich bereits die unberechtigten Beschuldigungen der ISU. Meine Trainingsmöglichkeiten waren fast in dem gesamten Zeitraum erheblich beeinträchtigt. Sowohl von den Rahmenbedingungen als auch durch die mentale Belastung. Erst drei Tage vor dem Wettkampf habe ich erfahren, überhaupt laufen zu dürfen. Gerade mal eineinhalb Tage blieben mir nach einer fast 24stündigen Anreise, um mich auf den Start vorzubereiten, um die Anpassung an die Höhenluft und die achtstündige Zeitverschiebung wegzustecken. Wenn ich mir die gesamten Umstände noch einmal vor Augen führe, kann ich verdammt stolz darauf sein, es überhaupt versucht zu haben. Im Nachhinein betrachtet muss man sogar sagen, dass es unter solchen Umständen unmöglich ist, gleich wieder Spitzenleistungen zu zeigen obwohl 4:04 Minuten über 3.000 m als Kaltstart gar nicht mal von Pappe sind. Um das zu realisieren, hat es natürlich einen Moment gedauert. Und dabei geholfen hat eine Mail, die ich kurz nach dem Rennen aus der Heimat bekam:
Liebe Claudia,
für mich hast Du heute etwas ganz Großartiges geleistet. Ich glaube, es gibt keine Athletin in der Welt, die unter diesen Umständen auch nur annähernd in die Nähe einer 4:04 gekommen wäre. Ich wünsche mir, dass Du weiter so klar und souverän auftrittst. Alles Gute und auf ein gesundes Wiedersehen in Berlin.
Ganz stolz auf Dich ist Dein Trainer Joachim Franke
Über diese Zeilen habe ich mich sehr gefreut. Und mir war schnell klar: Hätte der CAS das Urteil nicht immer weiter nach hinten verschoben und mir wäre mehr als eine Chance über die langen Strecken geblieben, hätte ich die Olympianorm (zwei Platzierungen unter den Top 16) mit Sicherheit erfüllt. Aber dieses Vorgehen der CAS-Richter war wahrscheinlich genau so wenig Kalkül, wie die Tatsache, dass ich unmittelbar nach meinem Rennen zur Dopingkontrolle „gebeten“ wurde. Kaum im Ziel standen die Kontrolleure schon im Innenraum. Zuvor war meine Name per Losverfahren ermittelt worden...
Als absolute Unverschämtheit erachte ich es übrigens, dass die ISU mir auf Anfrage meine eigenen Blutwerte nicht ausgehändigt hat. Lediglich die Hämatokrit- und Hämoglobin-Werte wurden mir mitgeteilt. Ich bekam weder eine Auskunft über meine Retikulozytenwerte noch über die Resultate der anderen Paramater, die seit dem 1.12. in den neuen Wada-Guidelines zum indirekten Beweis festgeschrieben sind. Das sind meine Blutproben, meine Werte. Ich habe ein´Recht darauf, diese zu kennen und werde mir die Messprotokolle notfalls per Anwalt beschaffen. Wer weiß, vielleicht geben sie weitere Aufschlüsse bzgl. einer möglichen Anomalie in meinem Blut. Denn nach wie vor habe ich weder die medizinischen Untersuchungen bzgl. meiner schwankenden Retikulozytenwerte eingestellt, noch werde ich in meinen juristischen Bemühungen auch nur einen Zentimeter zurückweichen. Ich habe nie betrogen. Ich habe nie gedopt und bin durch beispiellose, auf Dauer wissenschaftlich nicht haltbare, menschenunwürdige Machenschaften von der ISU und dem CAS aus dem Verkehr gezogen worden. Ich werde erst Ruhe geben, wenn die Gerechtigkeit gesiegt hat. Ganz gleich, ob ich noch einmal auf die Eisbahn zurückkehren werde oder nicht.
In diesem Sinne,
bleibt mir gewogen,
Eure Claudia

PS: Vielen Dank an alle, die mir nach dem Rennen ein paar aufmunternde Zeilen geschrieben haben. Das tut gut!