oceanspray

Update: 11. Dezember 2009

Vor meiner Qualifikationschance für Olympia:
Es gibt eine mediale und eine reale Wirklichkeit!

Heute melde ich mich das letzte Mal vor meinem ersten Rennen (ab 21.45 Uhr) in dieser Saison. Es ist das erste seit zehn Monaten. Nicht einmal ein einziger Trainingswettkampf oder ein einziges Testrennen waren mir in den vergangenen Wochen und Monaten erlaubt. Von daher habe ich keinen blassen Schimmer, wie mein Leistungsvermögen tatsächlich aussieht. Es ist eine Extremsituation wie ich sie in meiner Karriere noch nie erlebt habe. Aber ich möchte mich weder darüber beklagen noch herumjammern. Im Gegenteil: Ich habe bis zuletzt mit vollem Einsatz um diese Chance gekämpft. Kaum jemand hätte es doch für möglich gehalten, dass ich dieses eine Rennen, diese eine Chance überhaupt bekommen werde. Von daher bin ich stolz und glücklich, mir diese Möglichkeit juristisch erkämpft zu haben. Dass ich nun auf dem Eis versuchen werden, diese Chance sportlich zu nutzen, ist Ehrensache. Nicht nur für mich, sondern auch für alle, die mich auf meinem Weg zurück aufs Eis unterstützt haben. Damit meine ich nicht nur meine Familie, Freunde, Anwälte und meinen Manager, sondern auch die Ärzte, Teamkollegen, Trainer und DESG-Funktionäre, die immer an mich und vor allem mir geglaubt haben. Und damit meine ich auch all die „wildfremden“ Menschen, die mir per Mail oder auch persönlich immer wieder Mut zugesprochen oder mir viel Glück gewünscht haben. Ganz gleich ob die unzähligen User, die Empfangsdame in der Berliner Lufthansa-Lounge vor dem Abflug, der Steward im Flieger nach Salt Lake oder der Dopingkontrolleur der US-amerikanischen nationalen Anti-Dopingagentur: Es ist der nackte Wahnsinn, wie viel Zuspruch und aufmunternde Worte und Gesten ich bekomme.

Schmunzeln musste ich, als ich erfahren habe, wie in Teilen der deutschen Medien darüber berichtet wurde, was mir hier in Salt Lake angeblich für ein frostiger Empfang bereitet würde. Okay, zugegeben, es ist nicht gerade kuschelig, die Temperaturen sind extrem winterlich. Aber damit hat es sich auch schon. Ansonsten ist es so, als wäre ich nie weg gewesen. Diejenigen, mit denen ich mich vor meiner Sperre gut verstanden habe, sind unverändert freundlich und aufgeschlossen. Alle anderen waren mich früher schon egal, da erübrigt sich eigentlich jedes Wort. Bezeichnend finde ich allerdings schon, dass es (fast) immer wieder die gleichen sind, die in den Medien zitiert werden, wenn es darum geht, glauben machen zu wollen, ich würde wie eine Aussätzige behandelt. Wer sich hier vor Ort selbst ein Bild machen kann, wird schnell erkennen: Vor meiner Qualifikationschance für Olympia gibt es eine mediale und eine reale Wirklichkeit. Die reale ist für mich wesentlich angenehmer! Dazu gehört natürlich auch, dass ich bereits wieder Blut lassen und Urin abgeben musste. Bei der obligatorischen Blutkontrolle am Tag vor dem Weltcupbeginn wurde ich gleich dreifach zur Ader gebeten. Während alle anderen Athleten mit einem Röhrchen dabei waren, wurde mir vor dem Training zudem zwei Serum-Röhrchen abgenommen. Als ich nach dem Eis-Training (das Gefühl war ganz okay) mit dem Bus zurück ins Hotel fahren wollte, erhielt ich Besuch von dem ausgesprochen netten Kontrolleur (siehe oben) der amerikanischen Nada. Nach der vorangegangen dreifachen Blutkontrolle war jetzt noch die Urin-Dopingkontrolle an der Reihe. Dadurch habe ich zwar meinen Bus verpasst, was aber nicht sonderlich schlimm war. So erklärte sich ein persönlicher Chauffeur bereit, mich mit seinem Wagen in Hotel zu fahren. Das war schneller und bequemer. Der Chauffeur ist übrigens Lichttechniker beim Weltcup – und kommt aus Holland. ?

In diesem Sinne,
bleibt mir gewogen,

Eure Claudia

PS: Ich laufe heute nicht nur für mich, sondern für Euch alle. Versprochen!

Letzte Aktualisierung:
25.11.2009

webmaster: web@connye.com