Update: 9. Dezember 2009
Ein Start, ein Rennen, eine Chance:
Der Traum von Olympia lebt weiter!
Es könnte gut sein, dass ich gerade im Flieger nach Salt Lake sitze, wenn diese Zeilen gelesen werden. Ich muss offen zugeben, dass ich kaum damit gerechnet habe, die Starterlaubnis für das 3.000-m-Rennen in Salt Lake bereits in der Tasche zu haben, wenn ich das Flugzeug betrete. Ich hatte ohnehin die feste Absicht in die USA zu reisen. Denn was hätte es mir genutzt, am Donnerstag eine Starterlaubnis zu bekommen, während ich noch zu Hause gehockt hätte. So wäre ich also auch ohne das Ergebnis des Eilantrages zu kennen abgeflogen, um wenigstens organisatorisch alle Vorkehrungen getroffen zu haben, meine letzte Chance auf Olympia 2010 in Vancouver wahrnehmen zu können. Dass ich jetzt mit der Gewissheit, auch tatsächlich starten zu dürfen, in Salt Lake landen werde, ist ein schönes Gefühl und erleichtert die Vorbereitung auf mein wichtigstes Rennen in diesem Jahr. Zwar bin ich in diesem Jahr schon Europameisterin geworden. Doch der Titelgewinn im Januar in Heerenveen liegt bereits „gefühlte 100 Jahre“ zurück. Zu viel ist rund um den so genannten „Fall Pechstein“ in den vergangenen Monaten passiert.
Es war nicht leicht, mich während der zumeist von Negativmeldungen geprägten Zeit zum Training zu motivieren. Nie war der Kopf frei, was die Beine nicht gerade schneller gemacht hat. Trotz dieser widrigen Umstände habe ich mich durchgebissen und den inneren Schweinehund immer wieder besiegt. Diese selbst auferlegte Disziplin sorgt nun dafür, dass ich nicht ohne Hoffnung nach Salt Lake reise, die Olympianorm (eine Platzierung unter den besten Acht) der DESG und des DOSB zu schaffen. Ein Start, ein Rennen, eine Chance. Das ist eine Extremsituation, wie ich sie noch nie zuvor erleben musste. Ich lasse mich selbst überraschen, wie damit klar kommen werde. Es bleibt mir ja auch nichts anderes übrig. Zumindest ist es eine schöne Erfahrung, im Innern spüren zu dürfen, dass der Traum von meinen sechsten Olympischen Spielen nach wie vor noch lebt. Ich hoffe sehr, dass sich daran auch nach dem 3.000-m-Rennen am Freitagabend (deutscher Zeit) nichts geändert haben wird. Fest steht für mich schon eines: Es wäre wohl erstmals so, dass ein 8. Platz von mir als Erfolg gewürdigt würde ?
In diesem Sinne,
bleibt mir gewogen,
Eure Claudia

PS: Abschließend möchte ich gerne einmal mehr Danke sagen. Es ist nach wie vor unglaublich für mich, wie viele Menschen es berührt, was mir in den vergangenen Monaten widerfahren ist. Gestern ist mein Mail-Account fast aus allen Nähten geplatzt. Auch wenn es diesmal mehr „Glückwünscher“ als „Mutmacher“ waren, können einige der Zuschriften wieder unter den Mutmachern nachgelesen werden...