oceanspray
Update: 23. November 2009, 21.30 Uhr

Mittwoch soll das Urteil kommen:
Die Fakten sprechen für sich (und für mich)!

Noch zwei Nächte, dann hat das Warten endlich ein Ende. Für kommenden Mittwoch hat der CAS nun endgültig ein Urteil angekündigt. Seit der Verhandlung vor fast fünf Wochen hat sich an den Fakten nichts geändert. Und die sprechen eindeutig für mich. Die ISU hat mich lediglich anhand eines Blutparameters (erhöht gemessene Retikulozyten) aus dem Verkehr gezogen. Sie hat keinen Beweis für meine Schuld, sondern lediglich ein einziges Indiz, das auf Doping schließen lässt.

Gegen die These, dass ich mein Blut manipuliert habe sprechen dagegen gleich mehrere Indizien. Die wichtigsten möchte ich hier nochmals kurz auflisten:
- keinen weiteren, auffälligen Parameter in meinem Blut. Im Gegenteil: andere mitgemessene Paramater sprechen gegen Manipulation
- medizinische Gutachten, die darlegen, dass die schwankenden Retikulozyten bei mir auch auf natürlichem Weg erklärbar sind
- mehr als 350 negative Dopingtests (davon die Hälfte Out-of-Competition-Kontrollen, also z. B. beim Training, bei mir zu Hause oder auch im Urlaub - natürlich stets unangemeldet)
- Expertengutachten der Professoren Rasmus Damsgaard und Walter Schmidt, die darlegen, dass anhand meiner Werte kein zweifelsfreier Dopingnachweis geführt werden kann

Und auch folgende Fakten stützen nicht gerade den Dopingvorwurf durch die ISU:
- Verkürzung des Anklagezeitraums (zunächst von gut neun Jahren auf sechs Jahre, dann Verkürzung um weitere knapp fünf Jahre, am Ende blieben ganze 16 Monate und vier Wettkampftermine übrig)
- fehlende Kalibrierungs- und Messprotokolle selbst bei den noch verblieben vier Wettkämpfen
- die Anträge der ISU, da die o.g. Gutachten Damsgaards und Schmidts zur CAS-Verhandlung nicht zugelassen werden dürfen, dass sie angeblich zu spät eingereicht worden seien. Frage: Kann es den ISU-Bossen bei solch einem Verhalten eigentlich noch um die Wahrheitsfindung gehen? Oder nur noch darum, dass meine Sperre bestätigt wird? Ganz gleich, um welchen Preis...

Ich könnte hier noch eine Vielzahl von weiteren Ungereimtheiten bzgl. der ISU-Vorgehensweise in den vergangenen Monaten aufführen. Doch da ich dies schon detailliert vor einiger Zeit getan habe (bitte ganz unten stehende Links beachten), möchte ich mich hier nur noch auf zwei neue Anmerkungen konzentrieren.

1. Ich kann nicht nachvollziehen, wie einige Experten oder Funktionäre die Meinung vertreten können, dass der indirekte Beweis Schaden nehmen könnte, wenn meine Sperre aufgehoben wird. Wo leben wir denn eigentlich? Dass heißt doch nichts anderes, als man müsse mich unbedingt verurteilen, wenn man den indirekten Beweis retten wolle. Ganz gleich ob ich schuldig bin oder nicht. Was ist denn das für eine aberwitzige Denke? Jeder, der so an die Sache herangeht, vergisst doch etwas ganz Wesentliches: Der indirekte Beweis zeigt doch am besten dann, dass er tatsächlich funktioniert, wenn er auch dazu in der Lage ist, die Unschuldigen zu schützen und frei zusprechen. Es würde doch auch niemand auf die Idee kommen, den Indizienprozess bei Kapitalverbrechen als gescheitert zu bezeichnen, wenn (wie schon ein ums andere Mal geschehen) sich herausstellen sollte, dass die Indizienbeweise gegen den vermeintlichen Täter unzureichend sind und der Angeklagte frei gesprochen wird.

2. Für den Fall der Fälle, dass die CAS-Richter trotz allem mit dem Gedanken spielen, mich sperren zu wollen, hat mein Anwalt Simon Bergmann heute den Antrag gestellt, die Verhandlung bzw. das Verfahren wieder aufzunehmen. Grund: Die ISU hat in die Verhandlung vor dem CAS (22./23.10.) ein Gutachten eingebracht, das möglicherweise mittlerweile überholt ist. Es stammt von Dr. Pierre Sottas, Biostatistiker des WADA-Labors in Lausanne. Nach meinen Informationen hat Dr. Sottas sein Gutachten verfasst, bevor ihm alle Parameter meines Blutes vorlagen. Kurz vor der Verhandlung soll er der ISU dann signalisiert haben, dass er sein Gutachten nicht mehr unverändert aufrecht erhalten könne. Während der Verhandlung blieb Sottas dem CAS-Gerichtssaal fern, sein Gutachten aber blieb Bestandteil der Verhandlung. Ob Sottas, der in Lausanne wohnt und arbeitet, die Verhandlung in seiner Heimatstadt versäumte, weil ihn die ISU angesichts des möglicherweise drohenden Ungemachs womöglich auslud, darüber kann nur spekuliert werden. Fakt jedenfalls ist, dass Sottas dieser These zumindest nicht wiedersprechen wollte. Auf Anfrage des Sportinformationsdienstes (sid) hielt sich Sottas sehr bedeckt: "Das einzige, was ich bestätigen kann, ist die Tatsache, dass ich nicht an dem Verfahren vor dem CAS teilgenommen habe. Zu Gründen will ich mich nicht äußern." Wenn ich mit meinen Vermutungen (die aus verschiedenen Quellen genährt wurden) völlig falsch liegen würde, wäre es für ihn doch ein Leichtes gewesen zu erklären, es sei alles Quatsch, was ich zum Besten geben würde. Doch das hat er bislang nicht getan! Warum wohl nicht? Darüber müssten sich jetzt eigentlich die Richter Gedanken machen. Zumindest dann, wenn sie meine Sperre nicht aufheben wollen und sie als Begründung dafür auf das Sottas-Gutachten setzen...

In diesem Sinne hoffe ich weiter auf Gerechtigkeit.
Bleibt mir gewogen,

Eure Claudia

Letzte Aktualisierung:
25.11.2009

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