oceanspray

Bin so nicht in der Lage,
in den Flieger nach Hamar zu steigen


Die Grenze des Zumutbaren ist erreicht. Ich habe nicht gedopt. Und obwohl es für die ungeheuerliche Anschuldigung der ISU keinen Beweis gibt, warte ich nun schon fast vier Wochen auf das Urteil des CAS. Mir ist das Ganze völlig unerklärlich. Ich habe jetzt lange genug gute Miene zum bösen Spiel gemacht. Ich bin es leid, immer die starke Frau zu mimen. Ich empfinde es als beschämend wie ich behandelt werde. Mittlerweile werde ich das Gefühl nicht los, dass es hier überhaupt nicht mehr um mich geht. Ganz ehrlich: Mir ist es völlig egal, wie die Richter ihr Urteil begründen werden und ob es möglicherweise Raum für Spekulationen lässt. Ich will einfach nur wissen, woran ich bin. Mit einer solchen Vorgehensweise macht der CAS doch nur deutlich, dass ihm Paragraphen, Statuten, der indirekte Beweis und das mögliche Medienecho wichtiger sind als ein menschliches Schicksal. Das kann und will ich nicht akzeptieren. Ich bin die Beschuldigte. Ich bin diejenige, die die ganze Hetzerei, die Anfeindungen, Verunglimpfungen und den Rufmord über sich ergehen lasse muss. Und ich bin es einfach Leid, das alles ertragen zu müssen. Ich will einfach nur noch wissen, ob die drei Herren mich nach der Anhörung in Lausanne tatsächlich für eine Doperin halten oder nicht? Ich will wissen, ob es wirklich möglich ist, mich aus dem Verkehr zu ziehen, anhand eines einzigen Blutparamaters? Es gibt keinen einzigen Beweis für meine Schuld. Aber mehrere andere Paramater in meinem Blut, die eindeutig gegen Doping sprechen. Für mich ist dass alles nicht mehr nachvollziehbar. Jede Stunde, jede Minute kreisen meine Gedanken um das, was die ISU mir angetan hat. Ich weiß überhaupt nicht, wie es möglich sein soll, unter diesen Umständen ein Rennen zu laufen. Von daher habe ich mich entschieden, morgen nicht in den Flieger nach Hamar zu steigen, wenn ich keinen Freispruch in der Tasche habe. Es wäre für mich nicht zu ertragen, im Rahmen des Weltcups, umlagert von Journalisten, am Freitag die Nachricht eines Schuldspruchs zu erhalten. Denn mittlerweile stelle ich mir mehr denn je die Frage, ob ich tatsächlich ein sportjuristisches oder nicht viel mehr ein sportpolitisches Urteil bekommen werde. Die zweiwöchige Verschiebung und das unerträglich lange Warten auf das Urteil werfen bei mir zur Zeit viele Fragen auf. Und mit diesen Fragen im Hinterkopf sehe ich mich nicht in der Lage nach Hamar zu fliegen.

Ich hoffe auf Euer Verständnis.
Bleibt mir gewogen,
Eure Claudia

Eure Claudia

Letzte Aktualisierung:
25.11.2009

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