oceanspray
9. Juli 2009

Wer kontrolliert eigentlich die Reporter?

Liebe Fans, liebe Eisschnelllauffreunde, liebe Dopinggegner,

wenn es nicht so traurig wäre müsste man darüber lachen. Heute möchte ich Euch mal kurz den naivsten Sportjournalisten vorstellen, von dem ich bislang je etwas lesen durfte. Herr Jens Weinrich, Sie sind noch nicht lange im Geschäft - oder? Keine Bange, das werde ich Ihnen zugute halten, denn anders sind Ihre Zeilen in der Berliner Zeitung (Ausgabe vom 7. Juli) nicht zu erklären. Unter der Überschrift "Politikum Pechstein" haben Sie - (sicherlich nicht nur) aus meiner Sicht - ein einziges Plädoyer für meine angebliche Schuld verfasst. Und die Begründung haben Sie gleich vorneweg gestellt. Zitat: "Der 15 Seiten umfassende Beschluss der ISU-Disziplinarkommission klingt plausibel und sollte Pflichtlektüre für alle jene sein, die sich von der Interview-Offensive der fünfmaligen Olympiasiegerin zu sehr beeindrucken lassen".

Wow, das ist ja mal eine Begründung! Ein Urteil, das plausibel klingt?!
Was hätten Sie denn erwartet? Ein ausgewogenes Dossier über das Für und Wieder der Entscheidungsfindung? Das wäre eine prima Sache. Denn dann wäre es in der Tat als Pflichtlektüre für alle an dem so genannten "Fall Pechstein" interessierten Sportfreunde geeignet. Denn dann würde sich in dem Urteil widerfinden, dass...
- die Anklage im Laufe des Verfahrens mehrfach eigene Fehler einräumen musste
- nicht schlüssig dokumentiert werden konnte, wie meine Proben gelagert und transportiert worden sind
- kein einziges Originalprotokoll der Messungen meiner Werte vorgelegt wurde
- der unabhängige Gutachter Max Gassmann in der Anhörung keinesfalls dem Argument der Anklage folgen wollte, dass es doch wohl als sicher anzusehen ist, dass eine Bluterkrankung von mir unwahrscheinlicher sei als die Annahme ich hätte gedopt.

Das sind nur ein paar Beispiele von zahlreichen weiteren, die zwar nicht im Urteil, sondern in den Protokollen und in den Schriftsätzen festgehalten sind, die die zweitägige Anhörung in Bern flankierten. Aber hätten sie wirklich erwartet, dass Sie dies in der Urteilsbegründung lesen können? Für die ISU stellt es ja nicht einmal ein Problem dar, dass meine Proben in keinem von der NADA/WADA zugelassenen Labor kontrolliert wurden. Das steht sogar ausnahmsweise schwarz auf weiß im Urteil. Hat Sie das nicht stutzig gemacht? Sind Sie tatsächlich so naiv? Oder sind Sie vielleicht doch von einer Motivation angetrieben, die ein Journalist außen vor lassen sollte, wenn er seine Worte formuliert. Oder waren Sie einfach nur ein wenig übermotiviert? Man liest ja heute häufig und überall, dass in den verschiedensten Berufsgruppen auf stimulierende und leistungsfördernde Substanzen zurückgegriffen wird, um sich dem Stress gewachsen zu fühlen. Kann man Journalisten davon eigentlich ausklammern?
Deshalb meine Frage: Wer kontrolliert eigentlich die Reporter?

Bleibt mir gewogen,
Eure Claudia

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Letzte Aktualisierung:
25.11.2009

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