8. Juli 2009
Warum ich die Frist der ISU nicht akzeptieren konnte
Liebe Fans, liebe Eisschnelllauffreunde, liebe Dopinggegner, lieber Herr Kistner,
gestern hatte ich ja angekündigt, an dieser Stelle mal einige Journalisten direkt anzusprechen, die aus meiner Sicht ganz schnell den Dopingstempel zur Hand haben und ihn mir zu gerne aufdrücken möchten. Nach meinem Empfinden ist einer von ihnen Thomas Kistner und arbeitet für die Süddeutsche Zeitung (auch online). Und da kann man unter folgendem Link (http://www.sueddeutsche.de/sport/67/479556/text/) u.a. diese Zeilen lesen:
"In ISU-Kreisen heißt es, Pechsteins Vorwurf mangelnder Information werde im Urteil selbst als Manöver entlarvt. Dort heißt es, die Beklagte und die DESG hätten durchaus "zahlreiche andere mögliche Ursachen angeführt, darunter: Angeborene Blutkrankheit, körperlicher Stress, Grippe oder andere Infekte, Nasensprays, Vitaminpräparate" sowie ein Dutzend weitere Punkte. Medizinisch argumentiert hätten auch die Parteigutachter. Unerklärlich wirkt vor dem Hintergrund, dass Pechsteins Partei nicht Gebrauch von dem Angebot der Kammer machte, "innerhalb eines angemessenen Zeitraums" den ärztlichen Nachweis zu erbringen - und in dieser Zeit sogar wieder "trainieren und wettkämpfen zu können". Pechstein habe dies "nach einer privaten Konsultation" mit der DESG ausgeschlagen und ein Urteil verlangt."
Also, Herr Kistner, ich bin gerne bereit es Ihnen zu erklären:
Sie finden im Urteil sicherlich keine Zeitangaben, wie lange ein angemessener Zeitraum hätte aussehen können. Oder? Warum wohl? Da hätte die ISU ja angeben müssen, dass sie zunächst 45 Tage für angemessen hielt, anschließend aber auch bereit gewesen wäre, großzügiger Weise auf 90 Tage Frist zu erhöhen. Klingt gerade zu generös, würden Sie sagen? Ist es aber nicht! Was wäre passiert, wenn wir in dieser Zeitspanne keine medizinische Erklärung gefunden hätten? Das liegt auf der Hand: Das Urteil wäre genau so ausgefallen wie es jetzt verhängt wurde. Mit der Folge, dass ich beim Gang zum CAS drei wertvolle Monate verloren hätte. Anstatt im November 2009 wäre im Februar 2010 verhandelt worden. Haben Sie zufällig eine Idee, mit welchem sportlichen Termin es da eine Kollision gegeben hätte? Richtig, mit Olympia! Kein ganz unwichtiger Wettkampf, da werden Sie mir sicherlich nicht widersprechen wollen! Und wenn Sie jetzt bedenken, dass
1. der unabhängige Gutachter Max Gassmann es für möglich hält, dass es Jahre dauern kann, bis eine genetische Erkrankung gefunden wird
2. die Beweislast nicht beim Angeklagten, sondern beim Kläger liegt
und
3. ich sehr gerne bei Olympia meine 10. Medaille gewinnen möchte
wie hätten Sie da entschieden? Und kommen Sie mir jetzt nicht damit, dass Sie an meiner Stelle selbstverständlich die "angemessene Frist" ausgeschöpft hätten, schließlich stünde ja meine Gesundheit auf dem Spiel. Dieses Argument, Herr Kistner, zieht nicht. Denn ich lasse mich ja auch ohne Fristsetzung untersuchen. Begonnen habe ich damit übrigens bereits vor der Verhandlung. Aber das wissen Sie als gut informierter Journalist sicherlich längst.
Für mich stellt sich bloß noch eine Frage: Warum haben Sie nicht mal bei mir angerufen und gefragt, warum ich mich auf diesen Vorschlag der ISU nicht einlassen wollte? Wäre für Ihre Leser sicherlich eine ganz gute Info gewesen, um sich ein objektives Urteil zu erlauben. Aber an meiner Sichtweise scheinen Sie nicht wirklich interessiert zu sein. Denn ich kann mich nicht erinnern, dass wir beide überhaupt schon ein einziges Mal über den so genannten "Fall Pechstein" gesprochen hätten.
So, das war's für heute, fahre jetzt nach Berlin. Zunächst habe ich sechs Presse-Termine, dann gehe ich trainieren und heute Abend bin ich in der Alten Försterei und schaue mir im umgebauten Schmuckkästchen vom 1. FC Union Berlin das Eröffnungsspiel gegen HERTHA BSC an. Ein bißchen Abwechslung muss auch mal sein...
Bis zum nächsten Mal, bleibt mir gewogen
Eure Claudia

PS: Bei meinen sechs Presseterminen ist Herr Kistner wieder nicht dabei. Schade :-)
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